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Mundgeruch: Bitte ansprechen!

Üblen Atem verursachen meistens Bakterien. Mit der richtigen Mundpflege bleibt der Atem frisch
von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 04.08.2015

Augen zu und durch? Nein, wahrscheinlich ist der Partner dankbar für einen Hinweis

F1online

Menschen, die an­dere auf das heikle Thema Mundgeruch ansprechen möchten, empfiehlt Professor Andreas Filippi folgende Formulierung: "Ich persönlich wäre froh, wenn mir das jemand sagen würde." Wie der Fachzahnarzt für Oralchirurgie an den Universitätskliniken für Zahnmedizin in Basel (Schweiz) einräumt, fällt das selbst engen Familienangehörigen schwer. "Immerhin dringt man in die Intimsphäre des anderen ein", sagt er. Doch mit einem diskreten Hinweis tue man Betroffenen etwas Gutes: "Dann können sie etwas gegen ihren schlechten Atem unternehmen, den sie selbst gar nicht wahrnehmen."

Problemzone Mundhöhle

Schätzungen zufolge hat jeder vierte Bundesbürger gelegentlich oder ständig Mundgeruch, medizinisch Halitosis genannt. Er entsteht oft durch Bakterien, die faulig riechende Schwefelverbindungen produzieren. "Meist liegt die Ursache in der Mundhöhle – etwa entzündete Zahnfleischtaschen, bakterielle Zungenbeläge oder Mundtrockenheit", erklärt Filippi. Besonders bei verringertem Speichelfluss entstehe auf Zunge und Zähnen ein Biofilm aus Bakterien, der zu unangenehmen Ausdüns­tungen führt. "Rauchen verstärkt das Problem, weil es den Speichel zäh und klebrig macht, sodass der Biofilm besser haftet", sagt Andreas Filippi.

Regelmäßige Mundhygiene hilft

Erster Ansprechpartner sollte deshalb der Zahnarzt sein. Findet dieser eine Ursache in der Mundhöhle, wird er den Patienten behandeln, wodurch sich das Problem oft bereits erledigt. Doch auch der Betroffene ist gefordert: "Da sich der bakterielle Biofilm alle sechs Stunden erneuert, sollte man dreimal täglich die Zähne putzen und auch die Zwischenräume reinigen", sagt der Schweizer Oralchirurg. Der Belag auf der Zunge lasse sich mit speziellen Bürsten und geruchsbindenden Pasten mechanisch entfernen.

Zur Vorbeugung von Mundgeruch empfiehlt der Experte neben sorgfältiger Mundhygiene zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung. "Wer zu Mundtrockenheit neigt, sollte über den Tag verteilt regelmäßig trinken, um die Mundhöhle zu befeuchten", sagt Filippi. Eine ballaststoffreiche Ernährung trage dazu bei, den Biofilm auf der Zunge zu reduzieren.

Kaugummi überdeckt den Geruch

Antibakterielle Mundwässer helfen zwar kurzfristig, eignen sich aber nicht zur Daueranwendung: Sie wirken nur oberflächlich, stören die Mundflora und beseitigen nicht die Ursachen des Geruchs. Auch Kaugummis, Pfefferminzbonbons und Mundspray überdecken schlechten Atem nur kurz. Wenn der Zahnarzt nicht fündig wird, stecken gelegentlich ernstere Erkran­­kun­gen dahinter.

"Auch chronische Mandel- und Nebenhöhlenentzündungen sowie trockene Nasenschleimhäute können Mundgeruch verursachen", erklärt der Duisburger Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Uso Walter. "Da Bakterien in zähem Schleim besser haften, sollten die Schleimhäute regelmäßig mit Na­­sen­spülungen oder Salzwasserspray befeuchtet werden." Chronische Entzündungen behandeln HNO-Ärzte gegebenenfalls mit einem Antibiotikum.

In seltenen Fällen weist Mundgeruch auf Magenprobleme oder eine Krebs­­erkrankung hin. Walter erkennt oft schon an der Ausprägung des Geruchs, wo die Ursache liegt: "Bei Zahnerkrankungen ist er intensiver als bei HNO-Problemen, bei Magenerkrankun­gen eher säuerlich und bei Rachen- oder Kehlkopfkrebs besonders stark."

Übler Atem ist messbar

Für Patienten, die beim Zahn- oder HNO-Arzt keine Hilfe finden, gibt es spezielle Mundgeruch-Sprechstunden. "Selbst Zahnärzten fällt es oft schwer, das Thema anzusprechen", bedauert Filippi. "In diesen Sprechstunden ist die Hemmschwelle niedriger, weil jeder gleich weiß, worum es geht." Spezialisierte Praxen verfügen über Messgeräte, mit denen sich die flüchtigen Schwefelverbindungen in der Atemluft messen lassen. "Sie ermöglichen eine objektive Erfolgskontrolle", sagt Filippi. Auch für eine andere Patientengruppe sind sie eine große Hilfe: Manche sind davon über­­zeugt, Mundgeruch zu haben, obwohl das gar nicht der Fall ist.

Wer echten Mundgeruch hat, nimmt diesen nicht wahr, da sich die Nase schnell an den Eigengeruch gewöhnt. Deshalb hält Filippi wenig von Selbstdiagnosen, etwa durch erneutes Inhalieren der ausgeatmeten Luft. "Der sicherste Test ist, jemanden zu fragen, dem man vertraut."

Mundgeruch-Sprechstunden

Adressen beim Arbeitskreis Halitosis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-und Kieferheilkunde: (www.ak-halitosis.de)*

 

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Bildnachweis: F1online

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